Kaltstart Problem 280SE

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Ich möchte hier meine Lösung für ein Kaltstartproblem meines 280SE, W126 mit 110 Motor beschreiben. Alles fing damit an, daß der Motor sehr schlecht ansprang und dann minutenlang am Leben gehalten werden mußte. Es war so ähnlich wie bei einem alten Diesel ohne Vorglühen. Zu der Zeit hatte ich noch viel Respekt vor der Technik und viel Vertrauen in meine Mercedes-Werkstatt, ich bin also zur MB-Werkstatt gefahren. Die Diagnose war schnell gestellt: Warmlaufregler defekt. Aussage der Werkstatt: Der Warmlaufregeler kann nicht eingestellt oder repariert werden, es muß ein neuer Regler eingebaut werden. Das Ding kostete damals 800,00 DM plus Einbau. Das habe ich damals geglaubt und bezahlt. Beim nächsten Auto dieses Types hatte ich nach einem halben Jahr dasselbe Problem. Tolle Sache - Die Diagnose und die Kosten kannte ich ja schon. Nach der Reparatur war zunächst alles in Ordnung. Aber dann stieg der Spritverbrauch an und beim Beschleunigen gabs oft schwarzen Rauch, später auchmal bläulich/schwarzer Rauch. In der Warmlaufphase (um 60 Grad) wurde das Qualmen immer schlimmer und der Motor bockte. Die Kerzen waren stark verrust. Das Alles mußte meiner Ansicht nach mit dem ausgewechselten Warmlaufregler zusammenhängen. Ich habe den Werkstattmeister mehrmals daraufhin angesprochen. Immer die gleiche Antwort:"Alles in Ordnung, an dem Warmlaufregler liegt das nicht der ist ja neu, aber der alte Motor (350000km) wird wohl bald auf sein". (Bla-Bla-Bla) Naja, da bin ich erstmal weiterhin mit dem Wagen gefahren und habe täglich mit dem Ende gerechnet. Es wurde aber nicht besser und nicht schlechter. Bis eines Tages der Motor nur noch auf 5 Zylindern lief. Da bin ich dann wieder zur Werkstatt. Die Diagnose dauerte einen ganzen Tag. Man kam zu dem Ergebnis, das der Motor wohl einen Kolbenfresser haben muß. Man war sich aber nicht richtig sicher und wollte den Motor zerlegen. Da habe ich die ganze Sache gestoppt.

(Das war keine kleine Werkstatt sondern eine große MB-Niederlassung)

Dann das Wunder, als ich den Wagen abgeholt habe lief er plötzlich wieder auf 6 Zylindern. Wenn das eine Kolbenfresser ist fresse ich `nen Besen. Da wollte ich es wissen und bin auf die Autobahn gefahren.

Entweder / Oder

Auf der Autobahn habe ich das Tempo langsam gesteigert, bei 180km/h habe ich erstmal aufgehört. Das war mit Sicherheit kein Kolbenfresser. Der Wagen lief dann aber immer noch wie vorher, hoher Spritverbrauch, schwarzer Qualm und bockender Motor. Da hatte ich die Schn..... voll, jetzt wird selbst Hand angelegt. Im Internet habe ich ein Reparaturbuch (BUCHELI VERLAG, CH-6330 CHAM, Band 662, ISBN 3716815853) gefunden und dann ging`s ans Werk.

Ich muß dazu sagen: In meiner Studienzeit habe ich meinen alten Opel Kadett fast immer selbst repariert. Nur da ist ein gewisser Unterschied zwischen einem Opel Kadett und der Mercedes S.Klasse. Aber egal.

Der Warmlaufregler:

Das war die Vorgeschichte, die eigentlich gleich zwei mögliche Probleme des Warmlaufreglers beschreibt. Dazu kurz die Funktionsbeschreibung des Warmlaufreglers. Der Warmlaufregler ist ein Ventil über das während der Warmlaufphase zusätzlich Kraftstoff zugeführt wird. Über eine elektrische Heizspule wird ein Bimetallstreifen aufgeheizt und damit eine Kraftstoffventil geöffnet oder geschlossen. Elektrische Heizspule, Bimetallstreifen und Kraftstoffventil befinden sich in einem Unterdruckgehäuse und heißen dann Warmlaufregler. Bei kaltem Motor ist das Ventil geöffnet und der Motor bekommt mehr Kraftstoff. Bei laufendem Motor heizt die elektrische Spule den Bimetallstreifen auf und schließt dann das Kraftstoffventil, damit der warme Motor nicht zuviel Kraftstoff bekommt. Durch die Unterdruckschläuche wird außerdem die Vollastanreicherung realisiert, aber das ist ein anderes Thema. Die Unterdrucksteuerung und die erforderlichen Drücke werden im Buch erklärt.

Diagnose:

  1. Fehler beim Kraftstoffventil des Warmlaufreglers:
    Das oben beschriebene Ventil besteht unteranderem aus einer runden Eisenscheibe durch die sich ein Eisenstift bewegt und damit das Kraftstoffventil bewegt. An beiden Teilen kann sich Rost bilden. Wenn soviel Rost vorhanden ist, daß der Stift hängen bleibt, ist das Ventil entweder ständig offen oder ständig geschlossen. Wenn das Ventil geschlossen bleibt bekommt der Motor keinen zusätzlichen Kraftstoff und die beschriebenen Kaltstartprobleme. Wenn das Ventil offen bleibt bekommt der Motor zuviel Kraftstoff und braucht mehr Kraftstoff, bockt und qualmt schwarz.
  2. Defekte Heizspule des Warmlaufreglers:
    Wenn die Heizspule nicht funktioniert, bleibt das Ventil ebenfalls offen und es zeigen sich die oben beschriebenen Folgen. Die Heizspule kann folgendermaßen überprüft werden: Bei laufendem Motor muß am Kabelstecker die volle Bordspannung (ca. 13,5V) anliegen. Der Widerstand der Heizspule muß ca. 30 Ohm betragen.

Reparatur:

Bevor Ihr anfangt zu schrauben: Ich weiß nicht ob der Warmlaufregler in allen Modellen gleich ist. Im Buch werden jedenfalls keine Unterschiede angegeben. Außerdem mußte ich keine Ersatzteile kaufen, da ich noch einen defekten Warmlaufregler hatte und somit aus zwei defekten Reglern einen heilen Regler gemacht habe. Also, erst fragen ob es für den Warmlaufregler Ersatzteile gibt.

Der Warmlaufregler ist mit zwei Imbusschrauben, neben dem Oeldruckgeber(Oelfilter), am Motorblock befestigt. Die zwei Kraftstoffleitungen lösen (Vorsicht: Kraftstoff / Feuer), Unterdruckschläuche abziehen (Position merken) und den 12-Stecker der Heizspule abziehen (Sicherungsfeder ?) Die beiden Hälften des Warmlaufreglers sind normal verschraubt. Zwischen den beiden Hälften befindet sich eine Dichtung (Vorsicht: Ersatzteil?), die in meinem Fall keine Probleme machte und wieder verwendet (evtl. Atmosit) wurde. Beim Öffnen kann Einem rostiges Kondenswasser entgegen kommen. Zwischen dem Bimetallstreifen und dem Kraftstoffventil befindet sich eine Feder und ein Metallstift die später genauso wieder eingebaut werden müssen. Innen ist alles mit Schlitzschrauben verschraubt und kann zerlegt werden. Vorsicht mit den Anschlußdrähten der Heizspule. Die beschriebene runde Eisenscheibe ist mit vier keinen Schlitzschrauben befestigt. In der Mitte der Scheibe erkennt man eine Art Stift oder Hütchen. In diesem Bereich muß sauber gearbeitet werden, damit kein Schmutz in die Kraftstoffanlage gelangt. Unter der runden Eisenscheibe befindet sich eine dünne Metallscheibe (sehr dünn und aus Edelstahl?) Die muß eigentlich nicht demontiert werden. Wichtig ist nur das das kleine Metallhütchen leichtgängig gemacht wird. Beim erstenmal habe ich den Stift nur mit Caramba eingesprüht. Dadurch arbeitete der Warmlaufregler zwar, beim Kaltstart öffnete das Ventil aber nicht weit genug. Dadrurch ist der Motor in den ersten Sekunden (10-20) nicht sorecht ansprechbar. Besser Ihr reinigt das Hütchen und die Scheibe gründlich. Besonders die eingearbeiten Riefen und Falzen bis in die Ecken säubern. Danach habe ich die Eisenteile leicht mit Sprühfett eingefettet (Kein Fett in das Kraftstoffventil) und habe alles wieder wie vorher zusammen gebaut. Man braucht nur die Schrauben normal festzuziehen, es braucht nichts eingestellt werden. Nach dem Einbau brauchte ich nicht`s entlüften, der Motor sprang sofort an und lief gut. Ich habe diese Prozedur jetzt schon bei vier Auto`s gemacht (immer 110 Motor). Ich vermute, das Kondenswasser gelangt durch die Unterdruckschläuche in den Warmlaufregler. Aber nicht einfach ein Loch in das Gehäuse bohren damit das Kondenswasser abfließen kann, dann gibt's Probleme mit der Unterdrucksteuerung und der Vollastanreicherung. Den zusätzlichen blauen Qualm erkläre ich mir so: Durch das ständig stark angereicherte Kraftstoffgemisch wird der Oelfilm von den Zylinderwänden gewaschen und verbrannt. Daruch kann der Motor zerstört werden. Dieser Motor (110) mit dem Warmlaufregler ist auch im W123 montiert worden (Gleiches Spiel)

Übrigen: Der beschriebene W126 (350000km) war gerade beim TÜV und hat jetzt 396000km gelaufen. Also: Ein alter Motor ist nicht immer schuld, wenn der Monteur keine Ahnung hat.

PS.: Es kann natürlich auch noch andere Ursachen für Kaltstartprobleme geben (siehe Buch) aber dieses Rostproblem wurde bisher in keinem Buch erwähnt. Daher habe ich hier meine Lösung aufgeschieben. Ich suche jetzt ständig nach guten Reparatur- und Wartungsanleitungen für die W126-/W123-Serie. Falls jemand Quellen für Bücher/CD`s ect. weiß, bitte mitteilen.

Gruß Rainer.

Hallo! Die Beschreibung von Rainer ist große Klasse. Ich habe fast das gleiche problem (w123 280 CE) und hab dann sofort den warmlaufregler ausgebaut um zu sehen ob er innen rostig ist. doch es war viel schlimmer, das ding war nämlich voller wasser und alles was drin ist war total verrostet und sicher seit jahren völlig funktionsuntüchtig. ich denke, so ähnlich sieht es in fast allen warmlaufreglern aus, daher kann ich nur raten das ding mal zu zerlegen und nach dem rechten zu sehen. ausbau ist von oben unmöglich, von unten (sogar ohne bühne) leicht zu machen. Johannes